Volker Saul Aluminiumschnitte | Stefan Kraus, 2012 | Raum 10 | KOLUMBA Kunstmuseum des Erzbistums K√∂ln | www.kolumba.de

Die Bilder des K√∂lner K√ľnstlers Volker Saul (geb. 1955 in D√ľren) wirken wie √ľberdimensionierte Scherenschnitte, die uns unbekannte Details einer amorphen Welt zu vergr√∂√üern scheinen. Saul ist ein Formenerfinder und -sammler, der das visuelle Vokabular seiner Werke in typologischen Reihen ordnet und in komplexen Bildwelten zusammenf√ľhrt. Seine auf Schattenrisse reduzierten Kompositionen erzeugen ‚Äď vermutlich gerade aufgrund ihrer Zweidimensionalit√§t ‚Äď eine R√§umlichkeit, die ebenso an die unendlichen Weiten des Weltraums erinnert wie an Fotografien mikrobiologischer Strukturen; wobei der Begriff der Erinnerung nicht wirklich zutreffend ist, denn es ist weniger die Erinnerung an bereits Bekanntes, das hier erneut lebendig wird, als vielmehr die Vorstellung unbekannter R√§ume und Dinge, die in seinen Werken erstmals konkret werden.

Indem die Silhouetten seiner Kompositionen in die R√§umlichkeit hinein √ľbersetzt werden wollen, bleibt der Anteil der Phantasie des Betrachters am Bild wesentlich. Erinnert man sich an die Beliebtheit des Scherenschnittes im 18. und 19. Jahrhundert und an seine Verwendung zur Illustration in Kinderb√ľchern, so wird der Perspektivwechsel begreifbar, den Volker Sauls Bilder bewirken: Wir schauen aus der Zwergenperspektive auf monumentale Wunderwelten, die nicht zum Stillstand kommen wollen. Die Ausstellung zeigt erstmals drei Beispiele aus einer neuen Werkreihe monochrom bemalter Aluminiumsschnitte. Die gegen√ľber Papier h√§rtere Materialit√§t betont nicht nur den Objektcharakter dieser Werke, sondern auch den technoiden Aspekt seiner Formassoziationen, fabul√∂se M√§rchenwelt begegnet industriellem High-Tech. Kunst ist eine zwiep√§ltige Angelegenheit.

Zur Ausstellung erscheint unter dem Titel Tabula ein von Volker Saul gestaltetes Heft in einer Auflage von 300 Exemplaren (32 Seiten, Fadenbindung, ‚ā¨ 10,-).